Liebe

Ich beginne langsam diesen Woody Allen von vorne bis hinten zu lieben. Jeder Film hat etwas Eigenes und Individuelles, wenngleich natürlich auch viele Elemente wiederkehren. Die Liebe und ihre Facetten; die Lust und Leidenschaft; sexuelle Aktivitäten. Ständig kehren diese Topoi wieder, aber sie wiederholen sich nicht.

Wir sind alt. Wir sind verkümmert und doch sind wir natürlich. Unsere Körper schmerzen. Unsere Knochen sind starr und doch sind wir natürlich. Wir leben. Wir sind zusammen. Wir teilen unsere Häuslichkeit, unseren Alltag, unsere kleine Lebenswelt. Wir sind natürlich gealtert, ganz nackt.

Emmanuelle je t'aime, tes seins, tes lèvres, ta naturalité. Emmanuelle je t'aime. Das ist unglaublich. Diese wunderschöne Frau in diesem Psychothriller. Das ist französische Schönheit, von der ich träume. Ein wunderschöne Frau, mit Charme, mit lasziven Bewegungen, mit Lebensfreude in einer Welt voller Küsschen und liebevollen Berührungen.

Wer ist denn da der Abhängige? Gibt es dieses Abhängigkeitsverhältnis überhaupt? Mann. Frau. Frau. Mann. Man glaubt, dass diese Rollen sich auflösen. Doch es gibt immer einen Meister. Frau. Mann. Mann. Frau. Körperlichkeit definiert Beziehungsgeflechte. Lust und Nicht-Lust. Begehren und Nicht-Begehren.

Ungeheure Wucht. Totale Einsamkeit im Raum. Wunderschön. Neun Stunden Theater. Eine Lepage-Welt. Da will jemand Welt erklären. Hamburg. Wien. Montreal. London. Nicaragua. Da sind überall Spiegelbilder einer Welt. Schatten. Unsere Schatten. Unsere konstruierten Schatten. Synchronisierte. Mit einem menschlichen Gehirn erschaffen.

Während der Aufführung hatte Ich solche Lust meine Gedanken nieder zu schreiben. Das ist wohl auch ein bisschen das Problem. Niemals kann Ich all das fassen, was Ich in der Aufführung gedacht habe. Naja. Versuch. Die Zuschauer sind scharenweise rausgegangen und man kann das irgendwo nicht verstehen. Das macht einen auch irgendwie unruhig.

Ich sehe die Anderen. Ich mag die Anderen nicht. Nicht weil ich arrogant bin, sondern weil ich nicht verstehen kann, wie sie sind; weil ich nicht begreifen kann, warum sie so anders sind; warum ich nicht sie bin. Ich bin anders, weil die Anderen nicht so sind, wie ich bin.

Leben ohne Liebe
ist verlorenes Leben
abgestorbenes Leben
nicht ohne Liebe leben
ohne aufrichtige
ehrbare
ehrliche Liebe
nicht einfach tun
als ob man liebt
nicht deshalb heiraten
sondern aus Liebe
nichts als aus Liebe
sich lieben und heiraten
koste es Geduld

nichts von dem
was ich nicht bin
nichts von dem
was ich nicht kann
nichts von dem
pechschwarz meine Seele
ohne dich
pechschwarz meine Blicke
gemordet und abgestorben
im Antlitz meiner Gefühle
nichts von dem
was du bist
nichts von dem
was du kannst