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Die 120 Tage von Sodom:
(1975)
Filmplakat Land: Italien, Frankreich
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darsteller: Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Umberto Paolo Quintavalle

Inhalt: 

Vier Faschisten ziehen sich mit ihren Gefangenen auf ein Schloss zurück und erniedrigen je acht Jungen und Mädchen durch immer neue perverse Einfälle: Kot essen, nackt an der Hundeleine auf allen vieren kriechend, kläffend und nach Futter schnappend, Schlucken von mit Nägeln gespicktem Pudding und diverse andere Scheußlichkeiten.
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Essayistischer Vergleich Salo und Xala:

Es wird sicherlich nicht allzu einfach sein viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Filmen Salo (1975) von Pier Paolo Pasolini und Xala (1975) von Ousmane Sembene herauszuarbeiten, obwohl sie beide in der Mitte der 70er Jahre entstanden sind und sich auch von ihrer Namensgebung her ähneln. Dennoch erscheint es mir sehr schwierig Parallelen zu finden, unterscheiden sich doch beide Filme von der Thematik völlig. Doch gerade über die Vergleichsform lassen sich auch noch andere Elemente in den Filmen finden, die sich sehr ähneln.

Ich werde mich bei Xala auf eine Szene beschränken, die mich besonders an die Thematik von Salo erinnert hat: die Spuckszene, in der Xala (bedeutet übrigens Fluch der Impotenz) seine Buße entgegen nehmen, seine Schuld bekennen muss. Er soll sich in die Mitte der Gruppe afrikanischer Stammesvertreter stellen und ein afrikanisches Ritual über sich ergehen lassen.

In Salo skizziert uns Pier Paolo Pasolini ein realistisches Bild des Menschen. Wie kann ein Mensch sein? Was ist er im Stande mit seinen Mitmenschen zu machen? Am Anfang des Filmes stellen die „Vier Philosophen“ fest: „alles was maßlos ist, ist gut“ und steigern diese Maßlosigkeit ins Unerträgliche. Es gibt reihenweise Szenen aus Salo, die mir in den Sinn kamen, als ich Xala das erste Mal sah, vor allem die Darstellung des Spuckens, welches in Salo auch als Ausdrucksmittel, als Signalwirkung in die filmische Dramaturgie mit einfließt. Dennoch möchte ich mich auf die Gesamtheit von Salo beziehen und die perversen Nötigungen als Ganzes der einzelnen Szene des Filmes von Sembene gegenüberstellen.

In beiden Szenen werden Menschen genötigt, erniedrigt. Sicherlich muss erwähnt werden, dass natürlich der Grund des Handelns, die Ausgangssituation der „Täter“ nicht übereinstimmt, sondern, was schon den Themen zugrunde liegt, sich in den Motiven sehr deutlich unterscheidet.
In Xala gleicht dieses Geschehen eher einem Ritual, welches für die traditionsbewussten Senegalesen völlig normal und angebracht scheint. Es ist für sie ein Symbol ihrer Kultur. Sie wenden keine Gewalt an, sondern diskutieren und zwingen somit Xala nicht auf physische Weise zu seinem Handeln. Sie fordern ihn dazu auf sich in die Mitte ihres Kreises zu begeben und seine Strafe für sein unrühmliches Handeln, seinen Verrat an seinem eigenen Volk, entgegen zu nehmen, sie zu erdulden.
Die italienischen Faschisten handeln im Allgemeinen ebenso aus Überzeugung wie die Afrikaner, wenden aber Gewalt an um ihr Ziel, welches sich wohl auf die Erreichung der höchstmöglichen Lust bezeichnen lässt, zu erreichen. Sie wollen mittels ihrer jungen, „frischen“ Gefangenen, die sie unterdrücken, quälen und zu ihren masochistischen Neigungen zwingen, ihre eigene Lust stillen und völlig neue Sphären dessen erforschen, was sie so fasziniert, worüber sie philosophieren. In beiden Fällen dienen das Spucken bzw. die anderen Nötigungen in Salo dazu sein Gegenüber zu erniedrigen und unterzuordnen, Missachtung des menschlichen Individuums und der persönlichen Würde. Obwohl die Menschen in Xala völlig andere Motive haben als die Faschisten aus Salo liegt hier doch eine Gemeinsamkeit, denn der Mensch, der diese Erniedrigung erfahren muss, ist für die „Täter“ kein Mensch mehr und symbolisiert nur noch ein Objekt. Gerade das Lachen, auch ein Mittel in beiden Filmen, soll diese herablassende Haltung auf ein menschliches Wesen charakterisieren; das Lachen symbolisiert eher ein Auslachen, als fröhliches Mitlachen und deutet auf Respektlosigkeit.

Außerdem stellt sich für mich die Frage nach der Wahl, die den „Opfern“ bleibt. Hat Xala wirklich diese Wahl, die er zu haben scheint? Er muss sich unterordnen, die Vergeltung annehmen, damit er ein Mann bleibt bzw. wieder ein Mann wird und seine Ehre nicht verliert. Handelt Xala nicht so wie es ihm aufgetragen und geraten wird, verliert er seine Manneskraft endgültig und das, so scheint mir, ist in dieser senegalesischen Kultur schlimmer als der Tod. Sie fordern ihn auf zu gehorchen. Die Opfer in Salo hingegenhaben nur eine Möglichkeit. Sie können diese Regeln brechen, die ihre Herren aufgestellt haben; sie können sich auflehnen gegen ihre Unterdrückung.

Letztendlich müssen sich also sowohl Xala, als auch die Gefangenen in Pasolinis Film entscheiden, ob sie leben oder sterben wollen. Es bleibt für mich folgende Frage übrig: Was bin ich alles bereit mit mir machen zu lassen um weiterzuleben?

Autor: © Thomas Ochs (29.01.08)